Die AfD liegt im aktuellen ZDF-Politbarometer bei 28 Prozent und damit vor der Union. Gleichzeitig sagen 68 Prozent der Befragten, dass die Partei eine Gefahr für die Demokratie darstellt. Das ist kein Widerspruch – sondern ein Warnsignal.
Die Nachricht
In der aktuellen Projektion des ZDF-Politbarometers kommt die AfD auf 28 Prozent. Die CDU/CSU liegt bei 21 Prozent, die SPD bei 13 Prozent, die Grünen bei 15 Prozent und die Linke bei 12 Prozent. Die Werte sind keine Wahlergebnisse, sondern bilden die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Demokratiefrage: 68 Prozent der Befragten stufen die AfD als Gefahr für die Demokratie ein, 29 Prozent sehen das nicht so. Die Umfrage wurde von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt und am 8. Oktober 2026 vom ZDF veröffentlicht.
Einordnung: Wahlerfolg ist kein Unbedenklichkeitszeugnis
Die Zahlen widerlegen die Erzählung, die AfD werde allein wegen ihrer Stärke in Umfragen automatisch zu einer normalen oder unproblematischen Partei. In einer Demokratie darf selbstverständlich jede zugelassene Partei gewählt werden. Aber demokratische Legitimität entsteht nicht dadurch, dass eine Partei viele Stimmen erhält – und schon gar nicht dadurch, dass andere Parteien ihre Begriffe und Feindbilder übernehmen.
Der entscheidende Punkt ist: Zustimmung und demokratische Bewertung sind zwei verschiedene Dinge. Menschen können aus Protest, aus Unzufriedenheit mit der Regierung oder aus Überzeugung AfD wählen. Keine dieser Motivationen macht dokumentierte menschenfeindliche, nationalistische oder autoritäre Positionen harmlos.
Politische Bedeutung
Die AfD ist damit nicht bloß eine Protestoption unter vielen. Wer sie politisch aufwertet oder ihre Sprache übernimmt, muss erklären, wie dadurch die Demokratie geschützt werden soll. Die aktuelle Umfrage zeigt vielmehr: Ein großer Teil der Bevölkerung erkennt die Gefahr – auch wenn die Partei gleichzeitig an Zustimmung gewinnt.
Die Antwort darauf kann nicht lauten, die AfD nachzuahmen. Nötig sind klare demokratische Abgrenzung, konkrete Lösungen für soziale und wirtschaftliche Probleme sowie eine politische Sprache, die nicht nach unten tritt.
Fazit
Die AfD ist stark – aber nicht harmlos. Genau deshalb darf ihr Umfrageerfolg nicht mit demokratischer Unbedenklichkeit verwechselt werden. Und wer diese Partei wählt, kann sich bei all den Aussagen derer Vertreter nicht mehr darauf berufen, er wähle diese doch nur aus Protest.
